Flugzeuge am Flughafen Tegel.  Foto: Christian MaskosExbir-Kommentar: Berlin als wachsende Touristendestination und Hauptstadt braucht die Runwaykapazitäten. Heute ist ein besonderer Tag. Ausnahmsweise darf der Bürger und Fluggast in Berlin mal selbst direkt über eines der wichtigsten Themen für die Zukunft des Landes und Berlin entscheiden. Den Weiterbetrieb von Berlin-Tegel - dem City-Flughafen. Dem zweiten Airport der Deutschen Hauptstadt - und wir geben eine klare Empfehlung ab: pro Tegel. (C/j)
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Falls der neue Flughafen Berlin-Brandenburg – auch als BER bekannt – doch noch einmal eröffnen sollte, beabsichtigen unsere Politiker, den stadtnahen Flughafen Berlin-Tegel zu schließen. Dabei ist schon jetzt bekannt: BER ist zu klein.

Aktuell verfügt Berlin über 4 Runways - je 2 in Tegel und Schönefeld. Für eine Hauptstadt - insbesondere, wenn es eine touristische Trenddestination mit stark wachsenden Zahlen an Besuchern ist - viel zu wenig. Eine Schließung von Berlin-Tegel würde die Kapazitäten für Starts und Landungen reduzieren - insbesondere in Tagesrandstunden ein riesiges Problem: Denn sowohl Tegel als auch Schönefeld sind gut ausgelastet.

Natürlich mag nun der eine oder andere die Air Berlin Pleite ins Feld führen. Doch die ist nicht auf mangelndes Interesse an Flugreisen, sondern vor allem auf Management-Fehler, zu hohe Kosten nach der LTU-Übernahme und falsche, da veraltete Konzepte zurückzuführen. Und viel zu hohe Preise - eine Airline, die mit 49,99€ als Einstiegspreis startet, braucht heutzutage kein Mensch. Daher bereinigt sich nun der Markt.

Berlin braucht kein Drehkreuz – keinen Netzwerkcarrier. Dieser würde nur wertvolle, ohnehin knappe Slotkapazitäten blockieren, um Zubringerflüge mit kleinen Jets oder Props wie der Dash 8 durchzuführen.

Berlin braucht mehr Platz für die Airlines, die wachsen und am Markt nachgefragt werden. Die Billigflieger! Denn die Touristen, die Arbeitsplätze in Berlin schaffen, kommen mit Billigfliegern. Wer von Krakau oder Budapest nach New York fliegt - der kann überall umsteigen - in Paris CDG, London LHR oder Madrid.

Berlin hat jetzt schon zu wenig Platz in den Frühstunden und Abendstunden, um den Bedarf an Point to Point Verbindungen zu decken. Ryanair könnte die doppelte Anzahl an Flügen anbieten - das Problem ist: Aufgrund von Slotmangel gibt es kaum die Möglichkeit, sinnvoll weitere Flugzeuge in Berlin-Schönefeld zu stationieren.

Auch wenn nach dem endgültigen Air Berlin Grounding mit Sicherheit die Anzahl der Flüge erst einmal zurückgehen wird - werden wir ähnlich wie in Budapest erleben, dass nach dem Ende des slotblockierenden Hochpreiscarriers die Passagierzahlen sogar steigen.

Denn natürlich sind die meisten Strecken, die Air Berlin geflogen hat, profitabel - wenn sie eben nicht von Air Berlin, sondern jemand anderes geflogen werden mit marktgerechtem Produkt&Preisen und einer soliden Kostenbasis. Denn es werden ja nicht weniger Menschen Berlin besuchen wollen, wenn Flüge dorthin plötzlich billiger und mit größerem Gerät angeboten werden. Eher im Gegenteil.

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Berlin - das Herz Deutschlands und Europas - braucht eigentlich viel mehr Airports als nur diese zwei. Denn Berlin wächst und steigt in seiner Bedeutung. Zwar wird Berlin logischerweise die gigantischen Metropolen London und Paris nicht überholen - aber hinter Madrid und Rom braucht sich Berlin nicht zu verstecken.

London hat 6 Flughäfen - Heathrow für die Umsteiger, Gatwick im Süden als eine Art Überlaufbecken das sowohl Lang- als auch Kurzstrecken beheimatet. Stansted, Luton und Southend für die Billigflieger. Und natürlich City für die Geschäftsreisenden.

Paris hat vier Flughäfen - den zweitgrößten Europas Charles de Gaulle sowie den vor allem für Inlandsflüge und Flüge in die Überseegebiete genutzten Orly. Dazu Beauvais und Vatry und Ryanair und Wizzair.

Selbst das beschauliche Stockholm hat vier Airports - Arlanda für die Netzwerkcarrier, Bromma als Cityairport, sowie Stockholm-Vasteras und Stockholm-Skavsta für Günstigreisende.

Ein gutes Beispiel kann Rom sein. Hier wurde nach der Eröffnung des großen Hauptflughafen für Umsteiger - Fiumicino - der alte Flughafen Ciampino als City-Airport für Günstigflieger beibehalten. Das wäre ideal für Tegel.

BER für klasssiche Airlines mit vollem Service, Gepäck&Lounges  - Tegel als Effizienter Point-to-Point Airport

Die Geschäftsreisenden, die auf eine Lounge nicht verzichten möchten, haben ohnehin das Geld für ein Taxi oder Chauffeurservice und fliegen ab dem neuen BER. Die Günstigflieger - Ryanair, Wizzair und ggf. Norwegian -können dann nach Tegel ziehen.

Würde man Tegel sanieren und auf das Nötigste beschränken - also keine Lounges mehr, keine komplizierten Gepäcksortieranlagen für Umsteiger, keine teuren Prioritylanes usw. - könnte man den Flughafen nicht nur billig sanieren, sondern auch auf dem Kostenniveau von Frankfurt-Hahn oder Düsseldorf-Weeze betreiben - in bester Lage. Ciampino macht das vor.

Lufthansa, KLM, easyJet und Co würden dann am BER mit Lounges, Roten Teppich für Statuskunden, komplizierter Gepäcksortieranlage für Umsteiger etc. in dem Rahmen operieren, wie sie es an anderen klassischen Hochpreisflughäfen tun.

Ryanair, Wizzair und Co könnten dann effizient - am besten aber ohne störende Einflüsse durch die klassischen Airlines - ein super komfortables und effizientes Terminal operieren bei niedrigsten Kosten. Würde dann auch endlich die Luftverkehrsabagbe abgeschafft – könnte Tegel nur mit Wizzair und Ryanair in wenigen Jahren genauso viele Passagiere haben wie heute.

Das bedeutet nicht nur pünktliche, zuverlässige Flüge und schnelle Wege für alle Berliner auf komfortablen realpreisigen Flügen ab Tegel, sondern auch viel mehr Arbeitsplätze im Incoming-Tourismus, z.B. durch Touristen aus England, Schweden, Spanien usw. und damit auch Steuereinnahmen für die Stadt. Berlin als Ziel ist attraktiv und cool genug dafür. Es fehlen vielen nur die billigen Flüge.

Und auch für BER hätte das nur Vorteile, denn wenn die beiden Verkehre aus Tegel und Schönefeld zusammengelegt werden sollten, würde das nur in einem großen Chaos mit vielen Verspätungen und Annullierungen enden - da der BER absehbar zu klein ist, um den Verkehr beider aufzunehmen.

In BER könnten dann die Geschäftsreisenden, die Lufthansakunden etc. mit modernen und geräumigen Lounges und ohne Überfüllung an Sicherheitskontrollstellen etc. abfliegen – und das ohne airportbedingte Verspätungen.

Zudem ständen - wenn man Tegel ggf. verkauft oder wie vorgeschlagen von Ryanair betreiben lässt – zwei Airports in Konkurrenz was einen Anreiz für beide bedeutet nicht maßlos an der Gebührenschraube zu drehen und das Kundenwohl im Auge zu behalten.

Wenn es aber nur einen Airport gibt - alternativlos - dann wird dieser kein Interesse an einem guten Kundenerlebnis, einer zügigen Abfertigung, kurzen Wegen und Wartezieten haben: Denn wenn der Passagier keine Alternative hat und ohnehin ab BER fliegen muss, dann muss man kein akzeptables Erlebnis bieten. Zudem führen Singleairport-Konzepte fast immer zur Steigerung von Flughafengebühren und Abfertigungsgebühren, die ja heute schon in Tegel und Schönefeld viel zu hoch sind, um den "Wasserkopf" der Flughafengesellschaft zu finanzieren.


Flughäfen brauchen Konkurrenz - wie auch Airlines. Ansonsten geht das immer zu Lasten der Entwicklung und des Kunden.

Daher ist die Offenhaltung Tegels unverzichtbar.

London hat 6 Airports, Paris 4, Stockholm 4, Mailand, Barcelona, Oslo 3 und selbst Warschau hat zwei.

Eine Metropole wie Berlin braucht mindestens zwei Airports, um einen Verkehrsinfarkt zu vermeiden und Preise akzeptabel zu halten.

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